Der Name sagt alles: Gravity Golf – Golf mit der Schwerkraft. Nicht gegen sie. Nicht trotz ihr. Mit ihr.
Aber wo genau nutzen wir die Schwerkraft im Schwung? Das ist keine abstrakte Frage. Es gibt zwei konkrete Momente im Gravity Golf Schwung, in denen die Schwerkraft die Arbeit übernimmt – wenn man sie lässt. Und genau diese beiden Momente werden mit einem einzigen Drill trainiert, den eine meiner Schülerinnen treffend den „Walzer-Schritt" getauft hat.
1. Die Gewichtsverlagerung vom hinteren auf das vordere Bein – eingeleitet durch den Counterfall.
2. Der freie Fall der Arme zu Beginn des Abschwungs – Schläger und Arme fallen nach unten, ohne dass Muskeln sie ziehen.
Wer diese beiden Momente einmal wirklich gespürt hat, versteht, warum Gravity Golf so anders klingt als alles, was du vorher über den Golfschwung gelernt hast.
Der Walzer-Schritt Drill
Der offizielle Name bei Gravity Golf lautet Weight Transfer Drill. Meine Schülerin hat ihn spontan „Walzer-Schritt" genannt – und der Name ist geblieben, weil er das Gefühl der Übung perfekt beschreibt: rhythmisch, fließend, elegant.
Die Übung ähnelt einem Baseball-Pitcher. Wer schon einmal einen guten Pitcher beim Werfen beobachtet hat, kennt das Bild: Der vordere Fuß landet auf dem Boden, bevor der Ball geworfen wird. Die Energie fließt von unten nach oben – nicht umgekehrt. Genau dieses Prinzip übertragen wir auf den Golfschwung.
Schritt für Schritt – so funktioniert der Drill
Ausgangsposition
Steh mit den Füßen nebeneinander, Gewicht auf dem linken Fuß (als Rechtshänder). Der Ball liegt auf Höhe der vorderen Fußspitze (linker Fuß als Rechtshänder) – nicht mittig im Stand.
Schritt nach rechts – Gewicht wandert mit
Der rechte Fuß macht einen Schritt nach rechts. Mit diesem Schritt beginnt das Gewicht auf das rechte Bein zu verlagern. Das ist der Startimpuls – wie ein Tänzer, der den ersten Schritt des Walzers setzt.
Rückschwung mit Körperrotation
Jetzt erst kommt der Heave – der Schläger wird durch die Rotation von Rumpf und Schultern in den Rückschwung geführt. Der linke Fuß kommt dabei nach rechts und tippt kurz auf den Boden. Er ist bereit für den nächsten Schritt.
Counterfall leitet den Ausfallschritt ein
Noch vor Ende des Rückschwungs leitet die Körperrotation den Counterfall ein. Die Schwerkraft übernimmt – und der linke Fuß macht seinen Ausfallschritt nach links. Er landet auf dem Boden, während der Schläger noch oben in der Endposition ist. Arme und Schläger jetzt nicht absenken – das ist entscheidend.
Freier Fall der Arme – der Abschwung beginnt
Erst wenn der linke Fuß auf dem Boden gelandet ist, kommt der entscheidende Moment: Für einen kurzen Augenblick hältst du inne – und lässt Schläger und Arme durch die Schwerkraft nach unten fallen. Kein Ziehen, kein Drücken. Dieser freie Fall leitet den Abschwung ein. Die rotierende Körpermasse beschleunigt den Schläger durch die Impact Zone.
Nachschwung und Stabilität
Nach dem Impact wird der rechte Fuß von der Körperrotation mitgezogen – bis er neben dem linken Fuß zum Stillstand kommt. Er gibt dem Finish die nötige Stabilität. Der Schwung endet genau dort, wo er begonnen hat: mit beiden Füßen nebeneinander.
Das 3:1-Verhältnis – Timing durch Zählen
Gravity Golf arbeitet mit einem Timing-Verhältnis, das viele Golfer überrascht: Der Rückschwung dauert dreimal so lange wie der Abschwung. Das klingt nach Langsamkeit – erzeugt aber das Gegenteil. Ein langer, kontrollierter Rückschwung ermöglicht einen explosiven, mühelosen Abschwung.
Der Walzer-Schritt Drill macht dieses Verhältnis körperlich erfahrbar. Zähle dabei laut mit:
Schritt nach rechts – Gewicht verlagert sich, Rückschwung beginnt
Linker Fuß tippt neben den rechten – Schläger setzt Rückschwung fort
Schläger erreicht Endposition, linker Fuß macht Schritt nach links und landet – Counterfall eingeleitet
Impact – Arme fallen frei, Körper dreht durch
Drei Zählzeiten für den Rückschwung, eine für den Abschwung – das ist das 3:1-Verhältnis in der Praxis. Wer diesen Rhythmus einmal im Körper hat, spielt nie wieder gehetzt.
Der linke Fuß landet, bevor die Arme fallen. Erst dann beginnt der Abschwung – durch Schwerkraft, nicht durch Muskelkraft.
Warum dieser Drill auch auf dem Platz funktioniert
Die meisten Übungen gehören auf die Driving Range. Der Walzer-Schritt Drill ist eine Ausnahme – du kannst ihn direkt auf dem Platz spielen. Und das lohnt sich.
Besonders in Hanglagen ist die Beinarbeit entscheidend. Der Untergrund verändert die Balance, der Schwungkreis verändert sich, das Unterbewusstsein greift auf alte Gewohnheiten zurück. Der Walzer-Schritt Drill zwingt den Körper, in jeder Lage neu zu kalibrieren – weil ohne korrekte Beinarbeit kein sauberer Schlag möglich ist.
Ja, es fühlt sich anfangs seltsam an, mit den Beinen in Bewegung zu schlagen. Das Gefühl, so viel Beinarbeit zu machen – und dann trotzdem (oder: gerade deswegen) einen sauberen Treffer zu erzielen – ist einer der überzeugendsten Momente im Gravity Golf Unterricht. Viele Schüler sind beim ersten Mal ehrlich überrascht, wie gut der Ball fliegt.
Beinarbeit im Golfschwung ist kein Nice-to-have. Sie ist der Motor der Körperrotation. Wer lernt, mit Körpermasse statt Muskelkraft zu schwingen, öffnet sich eine völlig neue Dimension des Golfspiels – mehr Distanz, weniger Aufwand, weniger Verletzungen.
Den Walzer-Schritt live erleben
In einem Workshop oder einer Einzelstunde führen wir den Drill gemeinsam durch – auf der Range und direkt auf dem Platz. Du wirst spüren, was Schwerkraft im Schwung bedeutet.
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