Es gibt Übungen, die dir zeigen, wie gut dein Schwung ist. Und es gibt Übungen, die dir schonungslos zeigen, wo er noch nicht stimmt. Die Kreuzfuß-Übung gehört zur zweiten Kategorie – und genau das macht sie so wertvoll.
Sie ist schwierig. Sie frustriert anfangs fast jeden. Aber wer sie beherrscht, hat ein körperliches Verständnis für Balance, Counterfall und Körperrotation entwickelt, das sich in jedem normalen Schwung niederschlägt.
Was ist die Kreuzfuß-Übung?
Die Kreuzfuß-Übung ist eine Trainingsmethode aus dem Gravity Golf System von David Lee. Dabei überkreuzt du den rechten Fuß über den linken – und schlägst dann einen vollen Schlag. Der Clou: In dieser Position hast du keinen stabilen Stand. Du kannst nicht mit Armkraft kompensieren. Dein Körper ist gezwungen, die Bewegung korrekt auszuführen – oder du fällst um.
Der überkreuzte Stand erzwingt den Counterfall. Ohne die Gegenfallbewegung verlierst du das Gleichgewicht. Die Übung macht damit spürbar, was im normalen Schwung oft unsichtbar bleibt – und offenbart gleichzeitig jedes falsche Bewegungsmuster.
Schritt 1 – Die richtige Ausgangsposition
Bevor du mit der Übung beginnst, ist die korrekte Körperspannung entscheidend. Stabilisiere deine Wirbelsäule und entferne jegliches Spiel in den Wirbelgelenken. Das schafft eine direkte Verbindung von den Beinen über den Rumpf bis zu den Schultern – und sorgt dafür, dass der Heave die Kraft auch wirklich überträgt.
Schritt 2 – Fußposition und Ballplatzierung
Die Fußposition ist präziser als sie aussieht. Als Rechtshänder öffnest du den linken Fuß etwa 30 Grad in Richtung Ziel. Stelle dir eine Linie vom Ziel zurück zum Ball vor – die Außenkante deines linken Schuhs sollte senkrecht zu dieser Linie stehen.
Dann überkreuzt du den rechten Fuß so über den linken, dass sich beide berühren und die Zehen des rechten Fußes etwa 10 cm näher am Ball sind als die des linken. Wichtig: Die Füße bleiben während des gesamten Schwungs in Kontakt.
Auch die Ballposition spielt eine entscheidende Rolle. Lege den Ball weit genug zum linken Fuß, damit du im Rückschwung genug Raum hast, dich in Richtung Ziel zu lehnen. Liegt der Ball zu mittig, schränkt das deine Rotationsfreiheit ein – und dein Unterbewusstsein wird den Körper im Abschwung automatisch nach hinten verlagern, um noch an den Ball zu kommen. Das Ergebnis: fette Schläge.
Das klingt kontraintuitiv, weil die meisten Golfer gelernt haben, den Ball eher rechts zu spielen, um fette Schläge zu vermeiden. Das Gegenteil ist richtig: Eine zu mittige Ballposition verursacht fette Schläge, weil der Körper im Abschwung nach hinten ausweicht.
Schritt 3 – Der Heave und der Rückschwung
Sobald du korrekt ausgerichtet stehst, initiierst du den Rückschwung mit einem kurzen, kräftigen Heave aus Beinen, Rumpf und Schultern – als eine verbundene Einheit. Die Arme folgen passiv.
Die Intensität des Heaves ist entscheidend: Zu schnell, und du verlierst das Gleichgewicht. Zu langsam, und die Arme fangen an zu helfen – genau das, was wir vermeiden wollen. Die richtige Geschwindigkeit ist die, bei der Arme und Schläger mühelos in die Endposition des Rückschwungs gelangen, ohne dass du sie aktiv anheben musst. Die Handgelenke winkeln sich dabei ganz natürlich an.
Schritt 4 – Counterfall und Abschwung
Im Richtungswechsel vom Auf- zum Abschwung geschieht das Entscheidende: der Counterfall. Stell dir einen Fußballspieler vor, der einen Vollspannschuss ausführt. Er lehnt sich leicht über seinen Rücken, dreht sich balanciert über sein Standbein. Genau diese Bewegung passiert auch im Golfschwung – nur schneller und mit dem bloßen Auge kaum erkennbar.
Nach dem Counterfall fallen die Arme durch die Schwerkraft nach unten. Sie müssen nicht gezogen, nicht gesteuert werden. Der Körper dreht frei durch die Impact Zone zum Ziel. Jede aktive Armbewegung in diesem Moment ist ein Zeichen, dass der Counterfall nicht tief genug war.
Wenn die Arme im Abschwung eingreifen müssen, fehlt der Counterfall. Die Kreuzfuß-Übung macht diesen Fehler sofort spürbar – du verlierst einfach das Gleichgewicht.
Schritt 5 – Der Ausfallschritt: dein Kontrollwerkzeug
Nach dem Ballkontakt löst sich das linke Bein und macht einen Ausfallschritt – das ist der eigentliche Test. Wo landet dieser Fuß?
Wenn der Counterfall tief genug war, landet der linke Fuß in einem Winkel von ca. 45 Grad links der Ziellinie. Landet er gerade nach vorne oder sogar leicht rechts, war der Counterfall zu flach – und du weißt sofort, woran du arbeiten musst.
Was die Übung dir über deinen Schwung verrät
Die Kreuzfuß-Übung ist ehrlich. Sie belohnt keinen falschen Bewegungsablauf. Die häufigsten Erkenntnisse, die Schüler durch diese Übung gewinnen:
Arme dominieren den Rückschwung
Wenn du beim Heave sofort das Gleichgewicht verlierst, kommen die Arme zu früh. Der Heave muss aus dem Körperzentrum kommen – nicht aus den Schultern.
Counterfall fehlt oder ist zu flach
Du verlierst das Gleichgewicht im Abschwung nach vorne? Der Counterfall reicht nicht. Übe, dich im Richtungswechsel bewusst mehr nach links-hinten zu lehnen.
Ausfallschritt zu gerade
Landet der linke Fuß gerade nach vorne statt bei 45 Grad links, fehlt die Tiefe im Counterfall. Das ist dein direktes Feedback für das nächste Mal.
Ballkontakt verbessert sich sofort
Wenn die Übung gelingt, ist das Ballgefühl oft überraschend sauber – weil alle Elemente zusammenspielen und kein Kompensieren mehr nötig ist.
Wie du die Übung in dein Training integrierst
Beginne auf der Driving Range mit kurzen Eisen. Mach dich mit dem Gefühl vertraut, bevor du Driver oder lange Eisen verwendest. Es ist normal, dass die ersten Versuche unbefriedigend wirken – das ist der Punkt der Übung.
Nimm die Übung dann mit auf den Platz. Besonders in Hanglagen wirst du schnell merken, wie sehr die korrekte Ausrichtung und Ballposition den Unterschied macht. Der Counterfall, der auf dem ebenen Gelände funktioniert, muss in der Hanglage neu kalibriert werden.
Sei geduldig. Wer diese Übung versteht und verinnerlichst, trägt das Wissen in jeden Schwung – auf der Range, auf dem Platz, unter Druck.
Die Kreuzfuß-Übung live lernen
In einem Workshop oder einer Einzelstunde führen wir die Kreuzfuß-Übung gemeinsam durch – mit direktem Feedback, damit du das Gefühl schnell verinnerlichst.
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