Gravity Golf · Schwungtechnik

Der Heave – der erste Impuls,
der alles entscheidet

Levin Hoffmann Gravity Golf Instructor 7 Min. Lesezeit
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Viele Golfer suchen jahrelang nach dem einen Tipp, der ihren Schwung endlich besser macht. Neuer Griff, anderer Stand, mehr Hüfte – die Liste ist lang. Dabei liegt die Antwort oft ganz am Anfang: in den ersten Zentimetern des Rückschwungs.

Gravity Golf-Erfinder David Lee nennt diesen entscheidenden Moment den „Heave". Er ist nicht der kompletteste Teil des Schwungs – aber er ist der wichtigste. Denn wenn der Heave stimmt, folgt alles andere fast von allein.

Levin Hoffmann Gravity Golf Ansprechposition – Startbewegung Heave am GC Sieben Berge Rheden Hildesheim
Die Ansprechposition: Gewicht gleichmäßig verteilt, Körper leichtfüßig – bereit für den Heave.

Was ist der Heave – und warum heißt er so?

Das englische Wort „Takeaway" klingt harmlos, beschreibt aber genau das falsche Bild: den Schläger mit den Händen und Armen wegzunehmen. David Lee hat diesen Begriff bewusst abgelehnt. Denn wer den Schwung mit den Armen einleitet, programmiert Fehler vor – egal wie gut der Rest aussieht.

Der Heave ist das Gegenteil davon. Es ist ein kurzer, kraftvoller Impuls aus Beinen, Hüfte und Core-Muskeln – nicht aus den Armen. Die Arme sind in diesem Moment entspannt. Sie folgen dem Körper, anstatt ihn zu führen.

„Die ersten 30 Zentimeter des Rückschwungs entscheiden über den Erfolg des gesamten Schlags." – Jack Nicklaus

Jack Nicklaus wusste das instinktiv. David Lee hat es in ein System übersetzt, das für jeden Golfer erlernbar ist – unabhängig vom Alter oder Handicap.

Der Dominoeffekt im Golfschwung

Stell dir eine Reihe Dominosteine vor. Wenn der erste Stein im richtigen Winkel fällt, bringt er alle anderen zum Fallen – ohne dass du jeden einzelnen anfassen musst. Genau so funktioniert der Golfschwung.

Der Heave ist der erste Dominostein. Er setzt eine Kettenreaktion in Gang: Beine, Core, Schultern, Arme, Schläger – alles bewegt sich in der richtigen Reihenfolge. Fehlt dieser erste Impuls oder kommt er falsch, musst du mit Kraft und Kontrolle kompensieren. Der Schwung wird angestrengt statt leicht.

Kern-Prinzip

Der Heave bringt den gesamten Körper als eine Einheit in Bewegung – Beine, Core, Schultern und Arme gleichzeitig. Der Schläger folgt als natürliche Konsequenz. Niemand hebt die Arme aktiv an.

So fühlt sich ein korrekter Heave an

Die beste Analogie: Stell dir vor, du wirfst einen schweren Medizinball seitwärts. Der Impuls kommt aus dem ganzen Körper – kurz, kräftig, aber entspannt. Von außen sieht es locker aus. Von innen fühlt es sich kraftvoll an.

Genau dieses Gefühl willst du im Rückschwung erzeugen. Nach etwa 30 Zentimetern – ungefähr auf 7:30-Uhr-Position – passiert dann der sogenannte „First Release": Die Spannung in Armen, Handgelenken und Schultern löst sich vollständig. Der Schläger schwingt frei in die Endposition, ohne dass du ihn aktiv nach oben führen musst.

Levin Hoffmann Gravity Golf Rückschwung Endposition – Heave Upswing Gravity Golf Deutschland
Die Endposition des Rückschwungs: Die Arme sind frei geführt worden – ohne aktives Anheben.

Die richtige Ansprechposition als Grundlage

Der Heave kann nur funktionieren, wenn du vorher in der richtigen Position stehst. Diese drei Punkte sind entscheidend:

1

Gewichtsverteilung: Gleichmäßig zwischen Ferse und Fußballen. Dein Körpergewicht wird hauptsächlich von Hüfte und Oberschenkelrückseite (Hamstrings) getragen – nicht von den Knien. Zu stark gebeugte Knie erzeugen Spannung in den Quadrizeps und blockieren die Rotation.

2

Leichtfüßigkeit: In der Ansprechposition solltest du dich fast federleicht fühlen. Ein leichtes Vor- und Zurückwiegen hilft, den richtigen Rhythmus für den Heave zu finden.

3

Gewichtsverlagerung vor dem Heave: Ich persönlich verlagere mein Gewicht kurz auf den vorderen Fuß, bevor ich den Heave einleite. Das schafft Raum für die Rückverlagerung auf das hintere Bein und macht den Impuls flüssiger.

One-Piece Takeaway – Arme und Schultern als Einheit

Sobald du den Heave einleitest, ist es wichtig, dass Arme, Schultern und Schläger als eine Einheit in den Rückschwung gehen. Die relative Position zwischen Armen, Schultern und Schläger bleibt dabei konstant.

Was passiert, wenn das nicht klappt? Wenn die Arme beim Start zu locker sind, bewegen sich die Schultern schneller als die Arme. Das One-Piece-Takeaway bricht zusammen – und du verlierst die Verbindung, die den Schwung zusammenhält.

Warum Kraft aus den Armen schadet

Hier liegt der häufigste Fehler im Golfschwung, den ich bei Schülern sehe: Der Rückschwung wird mit den Armen eingeleitet statt mit dem Körper. Was dann passiert, ist physikalisch unvermeidbar.

Wenn du die Arme nach oben ziehst, erzeugst du einen Gegenhebel. Dieser Hebel arbeitet direkt gegen deine Körperdrehung. Das Ergebnis: Der Körper schwankt, die Schwungachse verschiebt sich, der Ball steht plötzlich an der falschen Stelle relativ zu deiner Drehachse. Das Gehirn versucht dann mit Armen und Händen zu retten, was zu retten ist – und macht es dadurch nur schlimmer.

Ein korrekter Heave macht die Arme überflüssig. Sie fallen im Übergang einfach nach unten – von allein, durch die Schwerkraft.

Genau das ist der Kern von Gravity Golf: Wir nutzen die Erdanziehungskraft, um auf den vorderen Fuß zu fallen und den Körper frei zum Ziel drehen zu lassen. Kein Ziehen. Kein Drücken. Nur Impuls und Freigabe.

Wie du den Heave trainierst

Den Unterschied zwischen einem armgeführten und einem körpergeführten Rückschwung zu spüren, ist am Anfang schwierig. Das ist völlig normal. Dein Körper hat wahrscheinlich jahrelang auf die alte Art trainiert.

Ein einfacher Einstieg: Stell dich ohne Schläger hin und wirf einen imaginären Medizinball nach hinten-oben. Spür, wie der Impuls aus den Beinen und der Hüfte kommt. Die Arme folgen – sie führen nicht. Dieses Gefühl willst du in den Schwung übertragen.

Mit der richtigen Anleitung geht dieser Lernprozess deutlich schneller. In meinen Workshops arbeiten wir gezielt an diesem ersten Impuls – weil ich aus eigener Erfahrung weiß: Wer den Heave verstanden hat, versteht den gesamten Gravity Golf Schwung.

Den Heave selbst erleben

In einem Workshop oder einer Einzelstunde erarbeitest du den korrekten ersten Impuls – mit sofortigem Feedback und Drills zum Weiterüben zu Hause.

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Levin Hoffmann

Certified Gravity Golf Instructor · PGA Germany Mitglied · 15 Jahre Ausbildung bei David Lee, dem Erfinder von Gravity Golf. Einzelcoaching in Hildesheim & Hamburg, Workshops & Online weltweit.